Was brauchen Kinder aus Regenbogenfamilien?

Brauchen RF-Kinder etwas Besonderes? Was ist denn das für eine komische Frage – alle Kinder brauchen doch Liebe, kontinuierliche Bezugpersonen, Fürsorge, Förderung, Zeit! Klar, aber vielleicht ist die Bedürfnislage in einer Gruppe, die einer Minderheit angehört, irgendwie doch speziell. Doch die Minderheit sind die Eltern, die lesbisch, schwul, queer, trans sind. Es stellt sich natürlich in diesem Zusammenhang die Frage, ob die Kinder bereits Angehörige einer Minderheit sind, weil sie keine Heteroeltern haben. Konsequent weitergedacht:  Gehören die Eltern zu einer Minderheit, sind die Kinder automatisch auch dabei. Doch vielleicht fühlen sich ganz viele RF Kinder gar nicht als Minderheit, sondern werden von ihren bemühten Queer-Eltern erst dazu gemacht. Brauchen RF Kinder ein Netzwerk, in dem sie sich austauschen können? Es ist unbestritten, dass es für das Aufwachsen enorm wichtig ist, andere Kinder mit zwei Mamas oder zwei Papas, vier Eltern etc. zu kennen. Das Leben in einer Heterowelt vermittelt RF- Kindern häufig das Gefühl, allein mit der ungewöhnlichen Familienkonstellation zu sein. Ab und zu andere Regenbogenfamilien treffen, Ausflüge machen, sich austauschen – das macht etwas mit dem Bewusstsein dieser Kinder. Und ja, da geht es Familien in Großstädten besser, weil es dort eher Angebote gibt. Aber das ist gar nicht der Punkt, über den ich hier laut nachdenke. Mir geht es um die älteren Kinder, die bereits beginnen, sich selbst zu organisieren. Also diejenigen, die in sozialen Netzwerken unterwegs sind. Ich frage mich, wie wichtig in diesem Alter die Eltern bzw. die Familienkonstellation ist. Natürlich sind unsere Kinder durch uns geprägt – in unseren Familien wird viel diskutiert, Kommunikation steht hoch im Kurs – doch wollen sich unsere Kinder nicht gerade jetzt von uns lösen? Homophobe Hänseleien oder eine mögliche Mobbingerfahrung werden vielleicht mit der besten Freundin/dem besten Freund durchgestanden. Freundschaften entstehen im Klassenzimmer oder im Sportverein. In der Regel haben die Freund_innen keine queeren Eltern. Müssen sie auch nicht. Ich glaube, es wird mal Zeit für eine Umfrage für die ab 12-Jährigen: Würde euch ein Netzwerk für RF-Kids interessieren oder braucht ihr so etwas gar nicht?

Vielleicht macht es auch einen entscheidenden Unterschied, ob die großen Kinder aus einer Heterobeziehung stammen oder in die RF hineingeboren wurden. Bei ersteren Kindern hat eine Trennung stattgefunden, ein Umbruch von einer vormals vielleicht „ganz normalen“ Hetero-Familie in eine Regenbogenfamilie – und plötzlich gehören sie einer Minderheit an. Diese Situation stellt die Kinder vor große Herausforderungen: Neben Trennungsschmerzen müssen große Verunsicherungen durchlebt werden. Dieser Prozess ist mit Trauer und Aggression verbunden, und dann ist Mama auch noch lesbisch und kämpft mit ihrem Coming out. Wer stärkt diese Kinder darin, irgendwann stolz auf das neue Leben zu werden? Vielleicht ist das nicht die richtige Frage.  Ab einem bestimmten Alter sind grundsätzliche Veränderungen für große Kinder und Jugendliche schwer zu verkraften. Und „anders“ will man auch nicht sein. Brauchen diese Kids ein Netzwerk zum Austausch? Keine Ahnung – würde mich wirklich interessieren.
In den USA gibt es ein großes Netzwerk: COLAGE heißt es und richtet sich an KInder und Jugendliche zwischen acht und achtzehn Jahren, die mindestens ein Elternteil haben, das lesbisch, schwul, queer oder trans ist.

P.S.: Ist bereits ein Netzwerk hier in Deutschland im Aufbau? Dann meldet euch!

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