Die Sache mit der Namensgebung

In den folgenden Zeilen geht es um ein ernstes und identitätsstiftendes Thema: den Namen. Nein, nicht den Vornamen, den Nachnamen! (Die Vornamendebatte ist sicher schon Monate vor Eintritt der Schwangerschaft abgeschlossen.) Ein lesbisches Paar möchte eine Familie gründen und befindet sich in der TTC-Phase (Trying to Conceive: Probieren-schwanger-zu werden-Phase). Nach einigen Versuchen klappt es endlich.

Nehmen wir mal an, oben beschriebene Heldinnen sind noch nicht verpartnert, wollen dies aber während der Schwangerschaft schnell nachholen („vorher haben wir doch eigentlich keinen Grund, oder?“). Dann steht ja schon mal die erste Entscheidung an: Behalten wir unsere Nachnamen oder wollen wir uns einen Familiennamen (Lebenspartnerschaftsnamen) geben? Was spricht für die eine, was für die andere Lösung? Denn diese Entscheidung ist die Basis für den zukünftigen Nachnamen des Kindes.

Behalten: Die Feministin sagt hier eindeutig  JA! Haben wir denn nicht noch erlebt, dass unsere Mütter den Namen ihres Mannes annehmen mussten, selbst wenn es schwerfiel? Rutschte da ein Stück Frauengeschichte nicht ins Bedeutungslose, ins Unsichtbare, wenn dieser Name einfach gestrichen wird? Gut, Helene Müller, als Beispiel, hat möglicherweise den Namen ihres Vaters (wenn die Mutter den Namen angenommen bzw. wenn das Kind eben den Nachnamen des Vaters bekommen hat), und trotzdem ist es ein Unterschied, ob sie diesen Namen weiter trägt oder den Namen ihrer Partnerin Debbie Brown annimmt.
Großer Nachteil: Das Kind hat nur den Nachnamen der einen Mutter, die andere heißt anders. Spricht gegen die Sichtbarkeit als eine Familie.

Wenn das Paar einen gemeinsamen Lebenspartnerschaftsnamen wählt, kann die eine Partnerin ihren Geburtsnamen anhängen oder voranstellen. Ist das Kind ihr leibliches/adoptiertes Kind, ist es in diesem Fall möglich, dass das Kind einen Doppelnamen trägt – aber nur, wenn keine Stiefkindadoption vorgenommen wird. Nach Stiefkindadoption trägt das Kind den Lebenspartnerschaftsnamen. Doppelname geht dann nicht mehr.

Ein Familienname: Für die Sichtbarkeit der Familie die beste Lösung. Doch schließt sich hier gleich die nächste Entscheidung an: Welcher Name soll es denn sein? Bei bi-nationalen Paaren ist diese Frage besonders spannend, weil viele kulturelle und politische Aspekte zum Tragen kommen. Und irgendwann muss der Würfel fallen:

Die Land-Lösung: Wir leben in deinem Land, dafür gebe ich den Namen.
Die Nicht-Bio Lösung: Du die Gene, ich den Namen.
Die Bio-Lösung: Was aus mir rauskommt, soll auch wie ich heißen.
Die ästhetische Lösung: Der schönere Name gewinnt.
Die Los-Lösung: Es wird gelost
Die Wichtiger-Lösung: Wem ist das Thema wichtiger?

Diese Liste könnte noch fortgesetzt werden – ihr seht, das Thema ist vielschichtig und spannend. Manchmal ist es schade, dass eine einmal getroffenen Entscheidung beim Namen nicht verändert werden kann. Also überlegt die Sache gut! Viel Erfolg allen, die sich gerade genau in diesem Prozess befinden … Ihr könnt gerne eure Erfahrungen mit den  RFN Leser_innen teilen.

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