DRK-Kureinrichtung bietet spezielles Angebot für Regenbogenfamilien

Welche Eltern kennen das nicht – die Kinder sind häufig krank und wenn sie gesund sind, dann starten sie ab und zu den Tag bereits gegen 5.30 Uhr und man selbst ist nur noch erschöpft. Oder Tochter/Sohn leiden unter Neurodermitis, Mutter/Vater hat Rückenprobleme vom Herumtragen des Nachwuchses, es gibt viele Gründe, warum die Elternbatterien einfach leer sind.
Vielleicht hat sich die eine oder der andere schon einmal überlegt, einen Kurantrag zu stellen, um wieder zu Kräften zu kommen. Aber wie ist das dann dort im Kurhaus, allein unter Heteros und Heteras?
Hier setzt ein völlig innovatives Konzept an: Das Kurzentrum des Deutschen Roten Kreuzes in Carolinensiel, unweit der ostfriesischen Küste, bietet erstmals einen auf Regenbogenfamilien zugeschnittenen Kuraufenthalt an.

Im Rahmen des LSVD-Regenbogenfamilienseminars in Stuttgart hatte RFN die Gelegenheit, mit einer Vertreterin des DRK, Claudia Fockenberg, etwas mehr über dieses einizgartige Angebot zu erfahren.

RFN: Wie kam es denn zu diesem Kurangebot?

C.F.: Seit einiger Zeit kommen immer mal wieder Regenbogenfamilien in unser Haus. Allerdings haben wir festgestellt, diesen Familien bisher nicht wirklich gerecht werden zu können. Dies hat zu verschiedenen Fragen geführt. Was brauchen Regenbogenfamilien? Was müssen wir ihnen anbieten, damit sie bei uns auch eine gute Eltern-Kind-Kur machen können?

RFN: Wie ist dieses Thema denn bei der oberen Etage des DRK angekommen? Gab es Widerstände oder haben Sie sofort Kooperationspartner_innen gefunden?

C.F.: Da gibt es eine ganz nette Begebenheit. Ich selbst bin nämlich eigentlich für die Betriebskindergärten zuständig. Bei einer Abteilungsbesprechung wurde das neue Projekt vorgestellt und ich bin dann hinterher zum Geschäftsführer gegangen und habe das Projekt sehr gelobt und meine inhaltliche Unterstützung angeboten. Dabei habe ich gemerkt, dass im Haus eine große Offenheit da war, Regenbogenfamilien eine gute Unterstützung anzubieten.

RFN: Wo finden diese besonderen Kuren statt?

C.F.: Das Haus ist in Carolinensiel bei Wilhelmshaven, in einer wunderschönen Gegend in der Nähe der Nordsee. Es liegt etwas abseits, wie es für eine Kur gut ist.

RFN: Ist schon ein Konzept für dieses Angebot erstellt worden? Wann geht es denn los?

C.F.: Das Konzept steht bereits und unterscheidet sich dahingehend von regulären Mutter-Kind- bzw. Vater-Kind-Kuren, dass es auch Gesprächsangebote und Vorträge zu speziellen Themen für Regenbogenfamilien geben wird. Im kommenden Jahr 2014 finden sowohl im Februar als auch im November die ersten Kureinheiten statt.

RFN: Ist dann das Haus für alle offen, oder nur für Regenbogenfamilien?

C.F.: Das ist unterschiedlich. In der ersten Einheit im Februar wird das Haus tatsächlich schwerpunktmäßig für Regenbogenfamilien geöffnet sein, im November werden zwei der drei Kur-Wochen nur für Regenbogenfamilien sein, die dritte Woche dann gemischt, um zu  sehen, ob die anderen Familien sich für das Thema interessieren und sich auch in ihrer Form dazu einbringen wollen. Das DRK begibt sich da auf einen neuen Weg. Wir sind gespannt.

RFN: Wird es eine Auswertung geben?

C.F.: Selbstverständlich brauchen wir wie bei jedem Projekt eine Evaluation. Wir wollen ja sehen, ob unser Konzept stimmig ist und was wir gegebenenfalls verändern müssen.

RFN: Wie machen Sie dieses Angebot überregional bekannt?

C.F.: Wir haben uns an die verschiedenen Verbände gewandt, die mit Regenbogenfamilien zu tun haben, also an die Landesarbeitsgemeinschaften der Bundesländer und an lesbisch-schwule-trans Gruppen in ganz Deutschland. Und die heutige Tagung ist ein weiteres Mittel, um auf das Kurangebot aufmerksam zu machen.

RFN: Wie sind die Reaktionen hier auf der Tagung?

C.F.: Das Interesse ist sehr groß. Ich habe hier sehr viele Gespräche geführt, auch darüber, wann denn eine Kur sinnvoll sein könnte, wie man eine Kur beantragt und was das DRK bieten kann.

RFN: Ist das Angebot auch für Kinder jeden Alters?

C.F.: Ja, allerdings ist ein Mindestalter von anderthalb bis zwei Jahren empfehlenswert. Nach oben gibt es keine Grenze, so lange das Kind auch im juristischen Sinne ein Kind ist – also bis 14 Jahre.

RFN: Kann eine Regenbogenfamilie, die vom Alltag komplett erschöpft ist, auch eine Kur beantragen oder muss eine spezielle Erkrankung, wie z.B. Neurodermitis vorliegen?

C.F.: Nun, eine Indikation kann z.B. eine Stressbelastung sein, die bei ein oder zwei kleinen Kindern und gleichzeitiger Berufstätigkeit vorliegen kann. Muss man ein Kind viel tragen, entstehen daraus Rücken- oder Nackenbeschwerden. Hier geht es darum, durch eine Auszeit wieder gestärkt in den Alltag zurückzugehen. Allerdings kann nur eine Mutter oder ein Vater mit Kind die Kur bewilligt bekommen, das zweite Elternteil muss den Aufenthalt selbst bezahlen oder beantragt eventuell mit dem zweiten Kind auch eine Kur. Möglich ist auch ein Zuschuss der Krankenkasse, aber das muss mit den Kurberater_innen der Kassen individuell besprochen werden.

RFN: Sie haben im Vorgespräch angedeutet, dass Sie auch selbst in einer Regenbogenfamilie leben.

C.F.: Ja, das stimmt. Meine Partnerin und ich haben beide zwei mittlerweile erwachsene Kinder aus einer vorherigen Beziehung mit einem Mann. Nun ist das erste Enkelkind auf die Welt gekommen und ich bin frisch gebackene Großmutter!

RFN: Frau Fockenberg, herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

 

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