Tue Gutes!

Gegen Ende des Jahres quillt der Briefkasten meist über – Bettelbriefe von allen möglichen Organisationen werden ja gerne in der Vorweihnachtszeit verschickt. Und es passt auch, am Ende des Jahres innezuhalten und die eigene Lebenssituation zu überdenken.
Wir können froh sein, in einem Land zu leben, in dem die individuelle Freiheit ein sehr hohes Gut darstellt. Und wenn es uns dann auch noch so gut geht, dass wir ein Dach über dem Kopf haben, eine Wohnung, in der wir uns wohlfühlen, eine Arbeitsstelle, die uns Sicherheit gibt, dann können wir von unserem Reichtum anderen etwas abgeben.

Früh haben wir uns überlegt, wie man so etwas wie ein soziales Gewissen einem Kind nahebringt. Einmal im Jahr ein bisschen übriges Geld spenden – das kann ein kleines Kind weder erleben noch nachahmen. Kinder wollen doch schon ganz früh helfen, mitmachen, die Welt bewegen.

Als T. anfing, sich mit dem Thema Geld zu beschäftigen, hatte sie zwei Spardosen, eine für die „Armen“ (so nannte T. diese Dose) und eine für sich. In der Grundschule sollte dann das soziale Engagement mit einer Aktivität verbunden sein und mit einem Kontakt zu denjenigen, denen es nicht so gut geht. Also versuchten wir herauszufinden, wo wir in der Nachbarschaft etwas tun könnten. Schnell wurden wir fündig. Im nächsten Stadtteil gibt es eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Das Telefonat mit der sozialpädagogischen Betreuung gab Aufschluss über den Bedarf der Kinder: Spielsachen, aber auch Hefte, Stifte, Radiergummis, Spitzer, Malblöcke. Gebraucht würden auch immer Jeans, Schlafanzüge, Schneehosen, Mützen, Handschuhe, Schals und Winterjacken. Und natürlich auch ein paar Süßigkeiten.

Über den Elternbeirat der Grundschule organisierten wir das Okay der Schulleitung. Dann bekam jede Familie in jeder Klasse einen Brief mit der Frage, ob sie nicht ein kleines Päckchen für ein Flüchtlingskind packen möchte – natürlich auf freiwilliger Basis.

Zu unserer großen Freude kamen unglaublich viele Päckchen zusammen – alle Kinder halfen begeistert mit, den Berg an Geschenken in verschiedene Autos zu verfrachten. An einem Nachmittag kurz vor Weihnachten fuhren einige Mütter und Kinder zur Unterkunft und trafen dort Mütter und Kinder aus vielen verschiedenen Ländern zu Kaffee und Plätzchen. Zuerst waren alle ein wenig verhalten, aber schon nach kurzer Zeit redeten die Kinder drauf los und auch die Mütter kamen miteinander ins Gespräch. Dann wurden die Geschenke verteilt – alle Päckchen hatten kleine Aufkleber mit der Information, was drin war und für welches Alter die Sachen geeignet waren. Für alle Kinder und auch für die Erwachsenen waren dies sehr schöne Momente: Alle Kinder freuten sich – diejenigen, die etwas bekamen, und diejenigen, die einem Kind etwas gaben. Gleichzeitig erfuhren unsere Kinder etwas über das Thema Flucht und welche dramatischen Erlebnisse damit verbunden sind.

Mittlerweile engagiert sich T. für die Spendenprojekte ihrer jetzigen Schule. Bei den Elternsprechtagen werden stets Kuchen und Sandwiches verkauft, und viele Eltern wissen schon, dass sie an diesen Spätnachmittagen hungrig in die Schule gehen sollten, damit möglichst viel Geld zusammen kommt. Es gibt viel zu tun, in der Nachbarschaft und in allen Teilen dieser Welt. Und es ist gut, wenn unsere Kinder schon früh lernen, dass es nicht selbstverständlich ist, ein sicheres Zuhause zu haben und in die Schule gehen zu können. Wenn sie sich engagieren, können sie nicht nur dazu beitragen, dass z.B. immer mehr Kinder Zugang zu Bildung bekommen. Sie können auch erleben, dass es Spaß macht, etwas vom eigenen Reichtum abzugeben.

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