Kindermund I

Gestern lasen die bessere Hälfte und ich über die anstehenden Proteste gegen die Ehe- und Adoptionsöffnung in Frankreich, als unsere 10-Jährige spät von der Schule kam. Sie wollte wissen, was wir gerade machten und so mussten wir ihr erklären, dass es Leute gibt, die finden, dass wir weniger Rechte als andere Familien haben sollten, dass unsere französischen Freundinnen mit ihren drei Jungs rechtlich nicht als vollwertige Familie mit zwei Elternteilen gelten und dass sich das jetzt ändern solle, es aber dagegen Proteste gäbe und wir gerade überlegen, wie wir das für den Blog aufbereiten wollen. „Ich verstehe das nicht, das nimmt doch DENEN nichts weg, wenn IHR heiraten dürft,“ brach es aus ihr heraus. Dem ist nicht wirklich viel hinzuzufügen. Es ist eigentlich kinderleicht.

Wobei sich an dieser Stelle immer wieder die Frage stellt, wie wir unseren Kindern davon erzählen, dass es Leute gibt, die gegen unsere Familien sind. Mit der Berichterstattung über die maßgeblich von der katholischen Kirche angestifteten Proteste wird eine Atmosphäre von Hass und Angst in unsere Wohnzimmer gespült, die es bei uns – im Gegensatz zu den USA – bisher nicht gab.
Vor ein paar Jahren, als unsere Tochter sich noch hauptsächlich vor dem Fuchs und dem Wolf fürchtete, marschierte eine ältere Frau mit einem Anti-Regenbogenfamilienplakat vor der Bühne beim Christopher Street Day auf und ab. Wir wollten eigentlich nicht darauf eingehen, aber unser Kind wollte unbedingt wissen, was darauf stünde und was diese Frau wolle – es war, als spürte sie eine Art Bedrohung. Wir versuchten auszuweichen, aber sie blieb hartnäckig und so sagten wir wahrheitsgemäß, dass diese Frau dagegen sei, dass Lesben und Schwule Kinder haben. Daraufhin bekam unsere Tochter es richtig mit der Angst zu tun, wir gingen vom Platz, um die „böse Frau“ (nicht unsere Bezeichnung!) nicht mehr zu sehen. Später, auf dem Heimweg, spekulierte sie, was die Frau dazu treibe, gegen uns zu sein. „Ich glaube, die hat keine Freunde, drum muss die so böse sein.“ Psychologische Erkenntnisse einer Fünfjährigen. Die Frau geisterte noch länger als Albtraummaterial bei ihr herum.

Und wir? Versuchen die Gratwanderung zwischen Schutz und Wahrheit weiter gut zu gehen. Und den Hohn, der darin liegt, dass die Angstverbreitenden das Kindeswohl zitieren, um es mit ihren Aktionen zu verletzen, an dieser Stelle zu verarbeiten.

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