Eltern sind nie geschlechtsneutral

In einem US-amerikanischen Blog schreibt eine Lesbe, die sich Lesbian Dad nennt, sehr kluge und spannende Beiträge. Allein schon ihre Selbst- Bezeichnung fordert heraus. Sie beschreibt das so: „Wenn Kinder mich fragen, dann sage ich, dass ich das Beste aus Mutter und Vater bin; ich bin einfach beides in einer Person. Damit können die meisten Kinder gut umgehen. Letztlich kann ich mich mit einer Art Vaterrolle besser identifizieren, aber der eines anwesenden Vaters.“
Nun spricht Lesbian Dad auf einer amerikanischen Väterkonferenz (!) über die Frage, ob Eltern überhaupt jemals geschlechtsneutral handeln können und was das möglicherweise mit den Kindern macht. Spannende Frage.
Ich glaube, es gibt kein neutrales Handeln, und zum Thema Geschlecht schon gleich gar nicht. Gerade gestern gab es eine typische Situation. In unserer erweiterten Familie ist ein kleines Mädchen zur Welt gekommen. Schon seit vier Wochen wartet eine knall-schrill-blaue Cordhose in Größe 62 auf Verschickung. Nun sollte noch schnell ein Oberteil her und was passt zu knall-schrill-blau? Richtig: Hellblau. Sehr nette Kombi. Eingepackt, zur Post gebracht und was kommt zwei Tage später? Eine SMS mit dem Kommentar: Ihr wisst schon, dass wir ein Mädchen bekommen haben, oder? Ich war mal wieder fassungslos. Wollen die modernen Heteroeltern, Mitte 30, etwa eine rosafarbene Kombination oder einen Strampelanzug mit Schmetterlingen oder Bärchen? In ihren Augen haben wir also geschlechtsdeviant, in jedem Fall abweichend gehandelt. Oh je! Wir waren doch schon mal viel weiter. Sind wir nicht schon jenseits von „rosa versus hellblau“? Anscheinend nicht. Ich gehe in die Kinderklamottenabteilung und bekomme eine Augenentzündung ob des limitierten Farbangebots. Das Verkaufs- und Beratungspersonal fragt IMMER, ob es für ein Mädchen oder für einen Jungen sein soll. Ich fände die Frage nach der Augenfarbe oder dem Teint viel sinnvoller. Ich glaube, es ist mal wieder Zeit für subversives Handeln. Schließlich ändern sich die Verhältnisse nur dann, wenn die einengenden Strukturen unterwandert werden. Ich hab’s: Ich werde  eine Umschulung zur geschlechtsreflektierten Einzelhandelskauffrau anbieten! Lebenslanges Lernen – zur Abschaffung jeglicher Limitierung der Geschlechter durch einengende Kleidung!

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