Lebensplan

Einen richtigen großen allumfassenden Lebensplan hatte ich nie. Meistens war ich viel zu beschäftigt mit dem Hier und Jetzt, um regelmäßig zu überlegen, welcher Schritt als nächstes gut wäre, damit ich das Ziel X erreiche. Es gab kein Ziel X, das Bild von „Frau, Haus, Kind, Hund“ – das Leben brachte einfach seine Aufgaben mit sich: Die jeweilige Beziehung wollte gepflegt, das Studium wollte geschafft, die Jobs währenddessen und danach gestemmt werden, aber das große Ziel (wenn ich „groß“ bin, dann …) blieb immer vage und doch so konkret: gesund und zufrieden sein, in einer lebendigen Beziehung leben, Freund_innen um mich haben, einer einigermaßen erfüllenden Arbeit nachgehen und in ein gemütliches Zuhause zurückkehren können. Ein Kind – dieser Traum kam erst später hinzu. Mehr als zehn Jahre war diese Idee mal Teil eines Plans und mal nicht, von „unvorstellbar, diese Verantwortung“ bis hin zu „wäre doch schön“, um am Ende in ein „jetzt gehen wir’s an“ zu münden. Dazwischen mussten emotionale Achterbahnen aller Art bewältigt werden. Und heute?
Heute lebe ich ein schönes Leben – ziemlich nach Plan. Ich hetze meistens exakt getaktet durch den Tag, doch eine Runde „Phase 10“  (geniales Kartenspiel!) am Abend entschädigt mich. Das Abfragen der Lateinvokabeln am Sonntag: Stöhn! Aber danach Schlittenfahren im Park, Wintersonne, Käsekuchen mit Freundinnen, und gut gelaunte Kinder toben durchs Haus. Kinder, die so zwischendrin sind – in between – manchmal noch Kinder, manchmal schon Teenager. Und dann überlege ich, wie eine gute Übersetzung für „Tweens“ lauten könnte, der wunderbare Begriff, der große Kinder so nennt, die zwischen zehn und zwölf Jahre alt sind. Bei uns heißt es halt „Vorpubertät“ oder so was …  Die Suche nach passenden Begriffen ist also gerade ein kleiner Teil meines momentanen Masterplans – quatsch, meines Mistressplans!

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