Das Volk und die Kirche

Früher hieß es ja immer: Traue keiner Umfrage, die du nicht selbst durchgeführt hast. Nun ja, gilt vielleicht immer noch.
Jedenfalls vergeht kein Tag, an dem wir nicht mit irgendwelchen Umfrageergebnissen versorgt werden. Also schließt sich RFN an und veröffentlicht Ergebnisse, die ihr eine treue Leserin (danke, Tina!) über die Website jugendhilfeportal.de zukommen ließ.
Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hat 5.000 Menschen zwischen 20 und 39 Jahren zum Thema Familie befragt. Vielleicht liegt es am Alter der Befragten, aber erstaunliche 88% finden, dass gleichgeschlechtliche Eltern mit ihren Kindern eine Familie sind (was sonst?), 82% bezeichnen Alleinerziehende mit ihren Kindern als Familie. Patchworkfamilien liegen etwa dazwischen. Wenn solche Zahlen veröffentlicht werden, dann wird wieder ein Stück Meinung gemacht, und das ist das Wichtige daran. Unentschiedene lesen so etwas, überlegen vielleicht kurz und positionieren sich – im günstigsten
Fall bei obigen 88%.
Ansonsten ist Kinderlosigkeit mittlerweile ziemlich akzeptiert und die ideale erwerbstätige Mama soll sich bitte am Nachmittag um die Kinder bzw. um deren Hausaufgaben kümmern (gähn!) … Mehr

Zum Thema „Familie“ hat sich ja die Evangelische Kirche lange Gedanken gemacht und vor einiger Zeit dazu 160 Seiten veröffentlicht – „Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“. Richtig fortschrittlich liest sich zuweilen diese „Orientierungshilfe“, die den Anspruch erhebt, keine Normen für die Form des Zusammenlebens aufzustellen, sondern die bestehende gesellschaftliche Situation zu beschreiben. Es geht um die Gemeinschaft und um die Sorge füreinander. Auch gleichgeschlechtliche Familien werden in der Vielfalt erwähnt (z.B. auf S. 22 und S. 27). Endlich. Denn ganz besonders gilt für Kinder, dass sie am besten in einer stabilen Form des familiären Zusammenlebens aufwachsen können. Wie wahr.
Schade, dass sich natürlich einiger Widerstand innerhalb der Evangelischen Kirche regt – der Publikation wird Beliebigkeit vorgeworfen, denn eine Orientierungshilfe müsse doch Normen vorgeben. Warum eigentlich? Die Menschen können doch selbst denken. Reicht es nicht, wenn eine Institution wie die Kirche endlich einmal nur beschreibt anstatt vorzuschreiben? Sich selbst zu positionieren setzt eigenständiges Denken voraus – es ist begrüßenswert, wenn die Evangelische Kirche dies ihren Schäfchen zutraut. Mehr
Bayern 2 hat zu diesem Thema einen sehr interessanten Radiobeitrag gesendet: „Was Familien sich von Kirchen wünschen.“
Hier geht es zur Sendung, bei der auch eine lesbische Mutter mitwirkt, die in „ihrer“ Kirche ganz engagiert mitarbeitet und gestaltet.

Noch ein bedeutsames Detail am Rande: Die Münchner Stadtdekanin Barbara Kittelberger hat beim diesjährigen CSD-Gottesdienst die Predigt gehalten. Auch Regenbogenfamilien wurden darin explizit erwähnt. Es geht voran.

 

 

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