Eine schlechte und zwei gute Nachrichten

Ärgernis der Woche:
Die Demo gegen die Homo-Ehe in Frankreich: Tausende gingen in Paris auf die Straße, eine Allianz aus Kirchenvertreter_Innen, RechtspopulistInnen und „Normalpublikum“, die alle die traditionelle Familie und das Kindeswohl in Gefahr sehen, wenn die Ehe für alle geöffnet wird und lesbi-schwule Eltern endlich Kinder adoptieren können.
Welche Botschaft transportiert diese Demo? Wir Erwachsenen können uns nach der ersten Aufregung distanzieren. Unsere Kinder, die zwei Mamas oder zwei Papas oder auch mehrere Eltern haben, können das nicht. Sie spüren, dass ihre Familien nicht unter derselben staatlichen Fürsorge stehen wie Heterofamilien, dass sie Kinder zweiter Klasse sind. Und eine weitere Gruppe von Jugendlichen wird sich noch fremder und einsamer fühlen: Die lesbischen und schwulen Teenager, die, statt Schutz und Identifikationsangebote zu bekommen, mit homophoben Aussagen konfrontiert sind. Der französischen Website Agissons pour Legalité zufolge haben sich die Anrufe bei einer Hotline für lesbischwule Jugendliche, die homophober Gewalt ausgesetzt waren, verdreifacht. Solche Massenaufläufe gießen Öl ins Feuer.
Für alle, die gerade in Paris oder in der Nähe sind und etwas tun wollen:
Am So. 27. Januar ist die nächste Demo unter dem Motto „Mariage pour tous“, damit Monsieur Hollande auch deutlich an seine Wahlversprechen erinnert wird:
Treffpunkt ist um 14.00 Uhr, Place Denfert-Rochereau, 14. Arrondissement

Hoffnung der Woche:
Italiens oberstes Gericht hat in einem historischen Urteil entschieden, dass ein Kind sehr wohl in einer lesbischen Beziehung gut aufwachsen kann. Ein geschiedener Vater, der das gemeinsame Sorgerecht für ein Kind an seine Ex-Partnerin verloren hatte, wollte das Sorgerecht mit dem Argument, die Mutter würde nun in einer lesbischen Beziehung leben, per Klage zurück erhalten. Das Gericht lehnte ab mit dem Verweis darauf, dass die Annahme, Kindern würden lesbische Eltern schaden, in den Bereich der Vorurteile gehöre. Mehr

Coming out der Woche:
Nicht dass es für unsereins jemals ein Geheimnis war … Doch es geht ans Herz, was die große Künstlerin Jodie Foster zum Thema Privatsphäre, Coming out, ihre Mutter und ihre Söhne zu sagen hat! Bei der Verleihung des Golden Globe Awards für ihr Lebenswerk  beschreibt sie sehr anschaulich, was es heißt, seit 47 Jahren auf der Bühne zu stehen und damit schon immer um ein Minimum an Privatsphäre kämpfen zu müssen. Das Publikum hält den Atem an, als die 50jährige Foster, nun schon sichtlich nervöser, darüber spricht, wie lang ihr Coming out im Familien- und Freundeskreis bereits zurückliegt. Mel Gibsons Gesichtsausdruck ist unvergleichlich! Und dann dankt Jodie ihrer Ex-Partnerin Cydney Bernard und nennt sie „mein heldenhaftes Mit-Elternteil, meine Ex-Partnerin in der Liebe, aber aufrichtige Seelenschwester im Leben“. Die Beziehung endete 2008. Die Söhne Charles und Kit,  vierzehn und elf Jahre alt, lächeln gerührt. Seht selbst:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.