Deutschland nicht bereit für Homo-Eltern?

Der Modedesigner Guido Maria Kretschmer hat letztens in der Zeitung mit den vier Großbuchstaben folgende Sätze von sich gegeben: „Ich finde, dass in Deutschland die Akzeptanz für Adoptionen durch homosexuelle Paare fehlt. Ich glaube, unsere Gesellschaft ist noch nicht nicht so weit.“ Deshalb hat er sich trotz Kinderwunsch dagegen entschieden, mit seinem Partner Frank Mutters ein Kind anzunehmen. Kretschmer treibt die Sorge um, dass sein Kind diskriminiert wird. Eine ehrenwerte Entscheidung? Die Union wird dieser Aussage sicherlich mit Hinweis auf das Kindeswohl Beifall zollen, plant sie doch, im kommenden Wahlkampf wieder stärker die heterosexuelle Familie in den Mittelpunkt ihrer Kampagnen zu stellen. Das hatten wir doch alles schon mal, als es um die Stiefkindadoption ging. Homos sollen keine Kinder haben, weil die böse Gesellschaft diese armen Kinder diskriminiert.
Fakt ist: Es leben bereits viele adoptierte Kinder in Familien mit nicht-heterosexuellen Eltern. Diesen Kindern geht es gut. Das ist bereits x-fach wissenschaftlich dokumentiert. Die Gesellschaft hat sich enorm bewegt, und sie wird sich weiter bewegen. Aber nur dann, wenn wir unsere Familienmodelle selbstbewusst leben, wenn wir unseren Kindern den Rücken stärken und als Community klare Forderungen an die Politik stellen. Mit dieser Strategie haben wir in den letzten Jahrzehnten mehr erreicht als mit Stillhalten und Verzichten. Ja, wer im nicht-hetero Kontext Familie leben will, muss sich auf ein Dauer-Coming out einstellen und viel mit seinen Kindern sprechen. Aber das hat bisher noch keinem Kind geschadet. Gesellschaften entwickeln sich stets mit neuen Realitäten weiter. Dass in Deutschland die Akzeptanz für regenbogenfarbene Adoptionen fehlt, trifft zwar für einen Teil der Menschen, die in Deutschland leben, zu, aber wer will sich von denen abhalten lassen, eine Familie zu gründen?
Herr Kretschmer tut mit seinen Äußerungen der Sache einen schlechten Dienst, denn die Gegner_innen werden durch solche lauten Überlegungen nur ermuntert und lachen sich ins Fäustchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.