Auf geht’s!

Herzlich willkommen bei RFN im neuen Jahr! Was könnte schöner sein als zu überlegen, welche politischen Ziele wir als Regenbogenfamilien 2013 erreichen wollen.

1. Adoptionsrecht: Über die Stiefkindadoption bei bereits adoptierten Kindern wird im Frühjahr in Karlsruhe entschieden, ein positiver Ausgang ist wahrscheinlich.
2. Steuerliche Gleichstellung: Das Bundesverfassungsgericht hat laut LSVD einem Betroffenen telefonisch zugesichert, dass mit einer Entscheidung der anhängigen Klagen in der ersten Jahreshälfte zu rechnen ist. Es liegen drei Verfassungsbeschwerden vor (Aktenzeichen 2 BvR 909/06, 2 BvR 1981/06 und 2 BvR 288/07).
3. Gemeinsame Adoption: Müsste, sobald 1. in unserem Sinne entschieden ist, angegangen werden. Ist sozusagen eine sinnvolle „Folgeklage“, denn es ist ja sowieso völlig unklar, was eigentlich gegen eine gemeinschaftliche Annahme eines fremden Kindes spricht. Es muss eben jemand den Klageweg beschreiten, falls noch nicht geschehen (der LSVD bietet umfassende Unterstützung an).
4. Artikel 3 Grundgesetz: Im Grundgesetz fehlt bei Artikel 3 noch immer die sexuelle Identität als ein Merkmal, weswegen ein Mensch nicht benachteiligt werden darf. Ist eigentlich eine Schande! Wirklich aufrichtige Reue gegenüber den Opfern, die verfolgt, kriminalisiert und in den Selbstmord getrieben wurden, sieht anders aus. Keine gesellschaftliche Gruppe ist so systematisch verfolgt worden wie die der Homosexuellen. Mehr dazu. Nachdem der §175 endgültig erst 1994 aus dem Gesetzbuch getilgt wurde, muss man sich nicht wundern, warum es mit offiziellen Entschädigungen so langsam voran geht.
5. Öffnung der Ehe: Scheint auf den ersten Blick obsolet – wäre aber extrem sinnvoll. Damit hätten wir mit einem Schritt komplett gleiche Rechte wie Ehepaare. Unsere Kinder müssten nicht mehr kompliziert als Stiefkinder adoptiert werden, sondern wären einfach ehelich und beide Mütter/Väter hätten automatisch das gemeinsame Sorgerecht. Gemeinschaftliche Adoption und steuerliche Gleichstellung wären  auch dabei. Durch die Blockadepolitik der Konservativen sieht es aber so aus, dass wir uns mühsam jeden einzelnen Punkt erkämpfen müssen. Aber das sind wir ja gewöhnt (siehe 4.)
Unsere Schwesterbrüder in den USA kennen es ja auch nicht anders, dort geht es allerdings immer auf Länderebene (Bundesstaaten) um die nächsten Schritte. Insgesamt ist die Ehe nun in neun von 50 US-Bundesstaaten für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet. Dies sind neben Washington, Maine und Maryland die Bundesstaaten Connecticut, Iowa, Massachusetts, New Hampshire, New York und Vermont. Weiters ist die Ehe in der Hauptstadt Washington D.C. geöffnet.
Ach, was haben wir mal gegen die Ehe als patriarchales Instrument gewettert! Aber das ist eine ganz andere Debatte …. Ich werde das Thema wieder aufgreifen, versprochen!
6. Ab August 2013 gibt es für Kinder ab dem ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Dies geht uns alle an, nachdem ja die Regenbogenfamilien maßgeblich dazu beitragen, dass z.B. in München die Geburtenrate außerordentlich hoch ist. Aber oh Wunder: Zur Zeit fehlen in der Bundesrepublik etwa 220.000 Kita-Plätze (in Worten: zweihundertzwanzigtausend!) Mehr. Woran das liegt? Tja, Geldmangel, Personalmangel, Visionsmangel sowie ein Mangel an Einsicht, diesem Thema oberste Priorität einzuräumen. Wertschätzung für Erzieher_innen in Form einer angemessenen Entlohnung? Fehlanzeige. In einer Stadt wie München ist der Alltag mit dem Gehalt einer Erzieherin eine ständige Herausforderung. Helfen würden nicht nur höhere Gehälter, damit sich mehr junge Menschen  für diesen Beruf entscheiden. Ein Wertewandel muss her: Frühkindliche Bildung ist wichtig und spannend, besonders dann, wenn sie sich auch mit Vorurteilen auseinandersetzt, für lesbische und schwule Eltern ein Dauerbrenner. Hier gibt es einen sehr guten Literaturtipp dazu.
Bis es tatsächlich genügend Plätze gibt, wird der Rechtsanspruch wahrscheinlich aufgeweicht und „flexible Lösungen“ müssen herhalten – sprich: Kinder werden in größeren Gruppen von weniger gut ausgebildetem Personal in kleineren Räumen betreut. Na, das sind ja prima Aussichten! Eltern, geht auf die Barrikaden!

Natürlich gibt es auch immer übergeordnete Ziele – wie etwa mehr Sichtbarkeit als Regenbogenfamilie.
Da könnte zum Beispiel das Angebot nützlich sein, als Eltern in der Kita einen Morgenkreis zum Thema Familienvielfalt zu gestalten oder die Klassenleitung mit einem hübschen Handbuch zum Thema Regenbogenfamilien zu überraschen (ich hätte da einen ultimativen Tipp!). Manchmal hilft zur Erhöhung der Sichtbarkeit auch einfach Präsenz – geht in die Sprechstunden, führt Gespräche, lasst euch in Gremien wählen, backt Kuchen, zeigt euch als interessierte Eltern, denn die pädagogischen Fachkräfte, die eure Kinder tagtäglich sehen, begleiten, betreuen und erziehen, schätzen engagierte und zugewandte Mütter und Väter sehr!

Mein Ziel für 2013: Politische Erfolge feiern und die kleinen Freuden des Alltags mit meiner Familie genießen. Spirituelles und emotionales Wachstum im Auge behalten  😉

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